Mit dem VW-Bus durch… Schottland #5

Donnerstag, 15. Oktober 2015

Es war ausschlafen angesagt. Um 7:50 Uhr etwa sind wir, nach guten 10 Stunden schlafen aufgestanden und auch nur deshalb, weil ich ganz dringend Pipi musste.
Danach gab es einen gemütlichen guten Morgenkaffee bei Bruno. Anschließend wackelten wir in den Sanitärbereich um uns fertig zu machen. Es war vorerst die letzte Gelegenheit fließendes Wasser zu genießen. Unsere Wasservorräte haben wir dann auch gleich noch gefüllt.

Nun hieß es Abschied vom komfortablen Campingplatz nehmen und die Reise ging weiter. Wer wusste schon, wann wir das nächste Mal auf einen Campingplatz kommen würden.

The Cottage

Der erste Stopp war erneut das einsame Cottage an der A82 kurz nach GlenCoe. Heute war die Sicht besser. Es gab zwar mächtige Nebelschwaden die ins Tal ragten, aber man konnte das Haus sehen. Meine Begleitung war glücklich. 🙂 Mir gefiel es natürlich auch und somit verbrachten wir dort einige Minuten.
Irgendwann fuhren wir mit Bruno weiter und hielten noch kurz an der Kreuzung an, wo es zur bereits erwähnten James Bond Kulisse ging. Dort im Tal war es wunderschön: Nebel drückte sich über die Berge, die Berge wurden langsam sichtbar und die Sonne kam langsam hervorgekrochen. Alles leuchtete im schönen gelb, rot, orange.

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Ist das möglich?

Nachdem ich mich von GlenCoe endgültig verabschiedet hatte, führte uns die geplante Route weiter nach Forth Willam. Da wir morgens das Frühstück ausfallen ließen, hatten wir schon Hunger und Flo steuerte ein uns bekanntes Schnellrestaurant mit dem dicken „M“ an.
Nachdem wir unser Menü ausgesucht hatten, bestellten wir. Da wir nicht allzu viel Bargeld dabeihatten und nicht wussten, wie es in den Highlands aussah mit Plastik zu bezahlen, zogen wir es vor dort mit Karte zu bezahlen. Wir wurden eines Besseren belehrt. Weder meine MasterCard noch die Visa von Flo wurde angenommen. Somit mussten wir auf unser Bargeld zurückgreifen.
Dort gab es auch free WiFi. Meine Augen strahlten, denn dann konnte ich eine Meldung nach Hause machen.
Die einzige Hürde für die Nutzung des WiFi’s lag darin, sich dort anzumelden und einen Grund für die Nutzung zu nennen. Diese Hürde war allerdings schwer zu meistern, da man auch eine Adresse eingeben musste und eine deutsche Adresse nicht akzeptiert wurde. Somit gab es auch kein WiFi und auch keine Meldung nach Deutschland. Wenigstens hat das Essen „geschmeckt“.

Nach dem Zwischenstopp brachte uns unser treues Gefährt nach Invergary und dem Garry Viewpoint.

 

Kevin´s Way

Über den Cluani Damm ging es vorbei an den Five Sisters und kurz nach einer weiteren kleinen Brücke sah ich auf der rechten Seite einen alten Friedhof mit Kirchenruine. Da musste ich halten! Ich bat meinen Fahrer dort anzuhalten. Hat er liebenswerterweise auch getan. 😉
Zu Beginn des Weges war ein Holztor mit der Aufschrift „Kevin´s Way“. Kurz nach diesem Tor war ein Denkmal für Kevin errichtet worden, der mit 19 Jahren starb.
Der Friedhof war ein Kriegerfriedhof mit wirklich sehr alten Gräbern. Auf dem Friedhof war jeder für sich unterwegs und erkundete ihn.

Bruno ratterte die A87 entlang zum Eilean Donan Castle, das bekannt ist aus dem Film „Highlander“. Bei Flut ist das Castle umgeben von Wasser und man sitzt so zu sagen fest. Ein Castle – eine Hoochi; war ja klar, das wir dort hielten. Die Filme interessieren mich ja null die Bohne, aber Burgen… 😉

 

 

WELCOME TO THE ISLE OF SKYE

Dorthin kamen wir, indem wir bei Kyle of Lochalsh über eine große Brücke fuhren. Flo fuhr weiter über Sligachan nach Portree. Von da aus konnte man schon den „Old Men Of Storr“ sehen, der noch ganz klein ist. Wir wechselten die Strasse und fuhren nun die A855 zum Loch Leathan.

Es war endlich soweit. Auf einem Feld direkt am Strassenrand standen die ersten Highland Cattles. Flo MUSSTE halten! Ich schoss aus dem Bus heraus, knipste was das Zeug hielt und hatte dabei sicherlich mein fettestes Grinsen im Gesicht. Endlich! Bis über beide Ohren habe ich mich verliebt. Und die Kleinen sind ja so süß!! Mit einem Meter Abstand standen wir uns gegenüber. Ich hab mich aber nicht getraut sie zu streicheln. Meine Worte waren:

Erst fotografiere ich Euch, dann streichle ich Euch und dann fress ich Euch!

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Erst nachdem mehrere Autos hielten und es ungemütlich wurde, stieg ich wieder in unseren Bus ein. Der nächste Halt war der Kilt Rock mit Blick auf die Steilküste und den Wasserfall.

Das letzte Ziel für diesen Tag war Quiraing. Auf dem Aussichtspunkt warteten wir gespannt auf den Sonnenuntergang. Wir warteten und warteten… Der Wind pfeifte um die Ohren. Fotografen und Wanderer kamen auf dem schmalen Feldweg uns entgegen. Unter anderem zwei Jungs aus der Heimat.  Irgendwann gingen wir zurück zu Bruno und fuhren die Paßstrasse hinuter in eine Ausbuchtung, die unser Lager für diesen Abend sein sollte.

Der Eintopf und ich kochten

Nachdem das Nachtlager aufgeschlagen wurde, habe ich gemütlich abgespült und Tee gekocht. Anschließend war der super Erbseneintopf an der Reihe. Dazu muss ich sagen, ich hasse Erbseneintopf!! Aber was man nicht alles aus Liebe auf sich nimmt… 😉
Während ich den Eintopf kochte, wollte Flo unsere Bilder sichern, da es zum abendlichen Ritual von ihm wurde. Ihm flutschte eine SD-Karte an der Frontscheibe hinunter in den Schlitz, wo man nicht mehr dran kommt. Kurze Zeit später kam heraus, dass es meine Karte war. Ich kochte! Gerade meine! Mit der wurde den ganzen Tag während der Fahrt fotografiert. Und meine Kühe!
Ich kochte innerlich und rührte brodelnd äußerlich den ERBSENEINTOPF um. Der Herr gab sich große Mühe die Karte zu finden. Nachdem er wusste, wo sie steckte, versuchte er die Karte mit allen Mitteln dort heraus zu bekommen.

Die Suppe war längst fertig und Flo versuchte weiterhin sein Glück. Nichts! Karte weg!
Nach einer Weile fragte er mich

Ist der Eintopf fertig?

Meine Antwort lautete kurz und knapp

Ja.

Während des ersten Löffels kullerten die Tränen. Ich konnte mich nicht beherrschen. Nun hatte Flo ein noch schlechteres Gewissen und tröstete mich. Das änderte aber nichts an der Tatsache, dass alle Bilder weg sind.
Nach dem Essen suchte er im Internet nach einer Lösung und wurde auch fündig. Diese Technik wollte er am nächsten Tag ausprobieren, da es bereits schon zu dunkel war. Er meinte, dass er es so lange versuchen würde, bis er meine SD-Karte wieder hat.

Somit wurden nur die Fotos von Flo gesichert und ich futterte dafür Chips. Gegen 21:30 Uhr ging er dann noch zum fotografieren… Aber alles ist gut.

Da meine Fotos ja weg sind und ich zum Glück ein paar mit dem Handy gemacht habe, gibt es in diesem Tagebucheintrag nur Schnappschüsse. Wenn meine Begleitung seinen Artikel mit zugehörigen Foto´s veröffentlicht hat, dann werdet Ihr noch Foto´s zu Gesicht bekommen.

Tag 5
zurück gelegte Strecke

Info´s zu Kevin´s Way:

Kevin Stoddart war 19 Jahre alt. Er war im Dezember 1998 mit seinen Freunden mit dem Auto unterwegs nach Hause und stoß frontal mit einem betrunkenen Mann (31 Jahre) zusammen, der durch den Alkohol zu schnell war und seinen Wagen nicht mehr unter Kontrolle hatte. Da Kevin nicht angeschnallt war, wurde er aus dem Auto geschleudert. Kevin starb im Krankenhaus an seinen Verletzungen.
Der Rugby Spieler wurde im Jahr 2000 zu 5 Jahren Haft und einem Fahrverbot von 10 Jahren verurteilt. Es war nicht seine erste Trunkenheitsfahrt. Der Todesfahrer war sogar noch der Nachbar der Familie und wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Danach errichtete er im eigenen Auftrag und als „Buse“ dieses Denkmal.

 

Die bisher veröffentlichten Artikel:

Duntulm Castle
Mit dem VW – Bus durch Schottland #4: Glenfinnan
Castle Tioram
Mit dem VW – Bus durch Schottland #3: GlenCoe
Castle Stalker
Mit dem VW – Bus durch Schottland #2
Castle Inveraray
Luss – Ich muss draussen bleiben
Largs – Ein Denkmal für die große Schlacht
Culzean Castle
Mit dem VW – Bus durch Schottland #1
bye bye scotland
Mit dem VW- Bus durch…

1 Gedanke zu „Mit dem VW-Bus durch… Schottland #5

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