Burg Eltz

Mein Bester erkundigte sich nochmal im Internet, wo die nächste Überraschung für mich genau vorzufinden war. Zu seiner Überraschung war das Ziel nicht in Richtung Heimat, sondern nördlicher von Frankfurt. Er schmiss  seine Pläne über Bord und wir fuhren bei starkem Regen los. Gelandet sind wir nach einem Fußmarsch auf der Burg Eltz in Münstermaifeld.

Das Wetter wurde besser, nicht zu warm und nicht zu kalt, für sehr viele neugierige Nasen, die die selbe Idee hatten wie wir. Deshalb verplemperten wir nicht all zu viel Zeit auf der überfüllten Burg und gingen die steile Busstraße zurück an unser Auto.

Die Burg Eltz gilt als Inbegriff der deutschen Ritterburg. Sie blieb über die Jahrhunderte hinweg in Familienbesitz und ist unzerstört. Ihre Geschichte ist reich an Mythen und Ereignissen, bedeutenden Persönlichkeiten und großer Kunst.
Ein Kurzporträt der Burg mit den wichtigsten Zahlen und Fakten sowie vielen interessanten Geschichten und Informationen:

9. bis 13. Jahrhundert
Die Entwicklung der mittelalterlichen Burgen, die wir heute in ihrer Wehrhaftigkeit und ihrer Schönheit bewundern, begann im 9. und 10. Jahrhundert. Aus den bisher mit Erdwällen und Palisaden geschützten Herrenhöfen wurden mit Mauern befestigte, gesicherte Burgen. Die Blütezeit des Burgenbaus reichte vom späten 11. bis zum 13. Jahrhundert – die große Zeit der Staufer. In diese ereignisreiche Epoche fällt die erste Erwähnung des Namens Eltz.

Im Jahre 1157
Rudolf von Eltz unterzeichnete und besiegelte im Jahre 1157 eine Schenkungsurkunde von Kaiser Friedrich I. Barbarossa als einer seiner Zeugen. Er bewohnte die damals noch kleine Burganlage am Elzbach. Teile hiervon, wie der romanische Bergfried Platt-Eltz und vier Stockwerke des ehemaligen romanischen Pallas (Wohngebäudes) innerhalb der heutigen Kempenicher Häuser, sind heute noch erhalten. Hiervon zeugen der wohl älteste bemalte Schornstein des Landes und ein neu entdeckter ebenfalls bemalter romanischer Fensterbogen.

Die Burg Eltz entstand in strategisch günstiger Lage: Sie wurde an einem Weg erbaut, der die Mosel – seit jeher eine der wichtigsten Handelsstraßen des Deutschen Reichs – mit der Eifel und dem fruchtbaren Maifeld verband.

Die Anlage und ihre Umgebung bilden eine harmonische Einheit: Auf drei Seiten von der Elz umflossen, ragt die Festung auf einem bis zu 70 m hohen, elliptischen Felskopf hervor – dem Fundament der gesamten Burg. Die Erbauer orientierten sich bei der Architektur an den natürlichen Gegebenheiten. So entstanden die teilweise ungewöhnlichen Grundrisse der einzelnen Räume.

Im Jahre 1268
Noch vor 1268 kam es unter den Brüdern Elias, Wilhelm und Theoderich zu einer Stammesteilung und damit verbunden auch zu einer Teilung der Burg und der dazugehörigen Ländereien. Fortan war Burg Eltz eine „Ganerbenburg“, in der mehrere Linien des Hauses Eltz in Gemeinschaft zusammenlebten.

In den Jahren 1300 und 1326
Der heute „Klein Rodendorf“ genannte Wohnturm nördlich des alten Pallas wurde vermutlich für Theoderich zu Eltz „mit den Büffelhörnern“ zwischen 1290 und 1300 errichtet.

Johann zu Eltz „mit dem weißen Löwen“ , Sohn des Wilhelm, errichtete um 1326 die ersten fünf Stockwerke des heute „Rübenacher Haus“ genannten Wohnturms seines Familienzweiges „mit dem weißen Löwen“, Nachkommen des Wilhelm.

1331 bis 1336
Der Expansionspolitik des Trierer Erzbischofs Balduin von Luxemburg widersetzen sich die Eltzer in einem Bündnis mit benachbarten ritterlichen Familien in der sog. „Eltzer Fehde“. 1331 erfolgte dort der erste gesicherte Kanonenangriff nördlich der Alpen. Als dieser erfolglos blieb, wurde die heute noch als Ruine sichtbare Trutzeltz errichtet und Burg Eltz mit Hilfe von Katapulten und Bliden jahrelang belagert. 1336 ergaben sich die Herren zu Eltz. Da in der Folge die meisten Befestigungsanlagen der Burg geschleift werden mussten, blieb Eltz zwar nur noch eine „befestigte Wohnanlage“, gleichwohl über die Jahrhunderte unzerstört. Dass nach der Eltzer Fehde keine kriegerischen Handlungen auf Burg Eltz stattfanden, ist dem Glück, einer geschickten Familienpolitik, kluger Diplomatie und der gelegentlich sehr beherzten Unterstützung der Nachbarn zu danken.

Im Jahre 1472
1442 wurde das Rübenacher Haus um die oberen zwei Stockwerke und das heutige Dachgestühl sowie das nördliche Treppenhaus (1444) aufgestockt. 1472 wurde dieses auf der Westseite der Burg gelegene Haus mit seinen prächtigen Wandmalereien unter Lancelot und Wilhelm vom Silbernen Löwen fertiggestellt. Der Name Eltz-Rübenach geht übrigens auf die Vogtei Rübenach bei Koblenz zurück, die Richard vom Silbernen Löwen 1277 erworben hatte.

Mit seinen mehreckigen Fachwerktürmchen, dem schlichten, auf zwei Basaltsäulen ruhenden Erkervorbau über der Eingangstür des Hauses und dem reizvollen spätgotischen Kapellenerker bestimmt das Rübenacher Haus wesentlich die architektonische Vielfalt des Burginnenhofes.

1490 bis 1540
In der Zeit von 1470 bis 1520 entstand das Groß Rodendorfer Haus. Der älteste Teil, gegen 1470, ist der Fahnensaal mit seinem prächtigen spätgotischen Netzgewölbe, der wohl ursprünglich eine Kapelle war. Darauf wurden weitere vier Stockwerke errichtet. An seiner Hoffront ist eine auf drei Pfeilern ruhende gewölbte Vorhalle aufgebaut. Der Name Eltz-Rodendorf geht auf die Heirat von Hans Adolf zu Eltz mit Katharine von Brandscheid zu Rodendorf im Jahre 1563 zurück. Hierdurch erwarb er die Herrschaft Rodendorf [Châteaurouge] im Lothringer Amt Bouzonville, nach der er und seine Nachkommen sich ab dann benannten.

1510 bis 1581
Das Haus Eltz machte vor allem in den Kurstaaten Mainz und Trier Karriere. Es konnte in jeder Generation geistliche Berufe vorweisen, allein im Erzstift Trier über 70 Prälaten und Nonnen in 400 Jahren, deren herausragender Vertreter der im Jahre 1510 geborene Jakob zu Eltz war. Er war einer der bedeutendsten Kurfürsten in der Geschichte des Erzbistums Triers und bekleidete im Laufe seines Lebens viele wichtige Ämter: Nach seinem Studium in Löwen wurde Jakob zu Eltz am 15. September 1525 erst Domherr von Trier und schließlich am 13. Oktober 1547 Domdekan. Ab 1564 hatte er auch das Amt des Rektors an der Universität Trier inne. Im Jahre 1567 wurde er schließlich in Koblenz vom Domkapitel zum Erzbischof und Kurfürsten gewählt.

Jakob zu Eltz galt als einer der stärksten Verfechter der Gegenreformation und fand in den Jesuiten seine wichtigsten Bundesgenossen. Seinen Kurstaat regierte er die längste Zeit aus der Nähe von Wittlich, da in Trier damals die Lutheraner und Calvinisten die Macht innehatten. Erst nach 13 Jahren gelang es Jakob nach unzähligen Verhandlungen und zuletzt mit Waffengewalt dort einzuziehen. Am 27. Mai 1580 huldigte die Stadt Trier dem Kurfürsten auf dem Hauptmarkt und schwor ihm Treue und Gehorsam. Jakob zu Eltz starb am 4. Juni 1581.

1604 bis 1661
Zwischen 1604 und 1661 wurde der romanische Pallas und seine Nebengebäude um einen bzw. drei weitere Stockwerke, zumeist aus Fachwerk, erhöht. Diese Erweiterung umfasst die heute als Kempenicher Häuser bekannten südöstlichen Bauteile der Burg. Sie runden durch ihre architektonische Komposition und ihr wohlgegliedertes Fachwerk den malerischen Gesamteindruck des Innenhofes ab. Eine Zisterne unter dem mächtigen Treppenturm diente der Wasserversorgung der gesamten Burg.

Der Haupteingang der Kempenicher Häuser wird von einer Torhalle geschützt, in deren Obergeschoß ein Erkerzimmer liegt. Es ist auf zwei achteckigen Basaltpfeilern gebaut, die durch Rundbögen verbunden sind. Die darauf befindlichen Inschriften „BORGTORN Eltz 1604“ und „ELTZ-MERCY“ geben Hinweise auf den Baubeginn und die Mitglieder der Familie Eltz, die damals die Modernisierung und Erweiterung des romanischen Burghauses in Auftrag gaben.

Der 30-jährige Krieg brachte eine Unterbrechung der Bauarbeiten, die erst durch Hans Jakob zu Eltz und dessen Ehefrau Anna Elisabeth von Metzenhausen verstärkt betrieben und zu Ende gebracht wurden. Daran erinnern noch die Schlusssteine des Kreuzgewölbes der Torhalle (1651) mit den Wappen Eltz und Metzenhausen. Auch das prunkvolle frühbarocke Allianzwappen von 1661 weist darauf hin. Es besteht aus gelblichem Sandstein und befindet sich unter den Mittelfenstern des Erkers. Die gleichen Wappen befinden sich an den schmiedeeisernen Fensterkörben des Kempenicher Untersaales und auf einem Wappenschild am Hofgeländer.

Die gesamte Baugeschichte der Burg erstreckte sich über mehr als 500 Jahre. Von der Romanik bis zum Frühbarock vereinigen sich in der Burg Eltz alle Stilrichtungen zu einem harmonischen Ganzen. So entstand schließlich eine Randhausburg mit acht eng um den Innenhof gruppierten Wohntürmen. In den mehr als 100 Räumen der Burg lebten bis zu 100 Familienmitglieder zuzüglich einer etwa gleichen Anzahl von Bediensteten.

Im Jahre 1624
Auch Hans Jakob zu Eltz hielt eine bedeutsame Stellung im Trierer Kurstaat inne. Er wurde am 15. Juli 1624 von seinem Kurfürsten mit dem Amt des Erbmarschalls belehnt. Damit stand ihm und seinen Nachkommen der Oberbefehl im Kriege und die Führung der Trierer Ritterschaft zu.

1665 bis 1743
Mit Philipp Karl zu Eltz, Kurfürst von Mainz und Erzkanzler des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation erreichte die Familie Eltz ihren historisch größten politischen Einfluss. Der im Jahre 1665 geborene Philipp Karl trat 1686 in das deutsch-ungarische Kolleg in Rom ein. Im Jahre 1719 – bei der Wahl Georg von Schönborns zum Kurfürsten von Trier – vertrat er als Domkantor von Mainz und Archidiakon von Trier die kaiserlichen Interessen. Er war gleichzeitig Domherr in Mainz und Trier.

Nach dem Tode des Mainzer Kurfürsten wurde Philipp Karl zu Eltz einstimmig zu dessen Nachfolger gewählt. Philipp Karl war damit geistlicher Führer und mächtigster Kirchenfürst nördlich der Alpen. Als Reichserzkanzler leitete er später den Reichstag in Regensburg und fungierte dort als ranghöchster Reichsfürst, direkt nach dem Kaiser. Seine bedeutendste Leistung bestand in der Durchsetzung der sog. Pragmatischen Sanktion, die es der Erzherzogin und späteren Kaiserin Maria Theresia erlaubte, das habsburgische Erbe ungeteilt anzutreten, obgleich eine weibliche Erbfolge nach dem salischen Reichsrecht unzulässig war.

Fast während seiner gesamten Regierungszeit vertrat Philipp Karl die Interessen Karl VI. aus dem Hause Habsburg. Er bildete mit den Kurstaaten Hannover und Trier eine Partei gegen Bayern. Doch 1742 kam es zum Bruch mit dem Hause Habsburg. Ursache hierfür war die Kaiserwahl, bei der Philipp Karl – nicht zuletzt aufgrund des massiven Drucks Bayerns und Frankreichs – gezwungen war, sich für den Wittelsbacher Karl Albrecht, den späteren Karl VII., zu entscheiden. Dies wurde ihm von den Habsburgern als Verrat ausgelegt. Philipp Karl litt bis zu seinem Tod 1743 unter dieser Entscheidung.

1688 bis 1689
Während des Pfälzischen Erbfolgekrieges von 1688 bis 1689 wurde ein Großteil der rheinischen Burgen zerstört. In dieser Zeit spielte Hans Anton zu Eltz-Üttingen eine wichtige Rolle bei der Erhaltung der Burg Eltz. Da er im französischen Heer als hoher Offizier diente, gelang es ihm, die Burg aus deren offiziellen Liste der zu zerstörenden Gebäude zu eliminieren. Gegen den „inoffiziellen“ Raubzug der französischen Soldateska in Richtung Burg Eltz half indes nur der beherzte Einsatz und die List der Müdener Bürger, die diese Marodeure in ein reifes Kornfeld lockten und jenes zusammen mit den ungebetenen Gästen verbrannten.

Im Jahre 1733
Aufgrund ihrer Verdienste in den Reformationswirren und den Türkenkriegen erhob Kaiser Karl VI. in Wien die Linie Eltz vom Goldenen Löwen im Jahre 1733 in den Reichsgrafenstand. Darüber hinaus erteilte er den Eltzern mit dem Großen Palatinat das Privileg, im Namen des Kaisers zu adeln, Notare zu erwählen, uneheliche Kinder zu legitimieren, bürgerliche Wappen mit Schild und Helmzier zu erteilen, öffentliche Richter und Schreiber zu ernennen, Leibeigene zu entlassen und vieles mehr.

Im Jahre 1736
Das Haus Eltz verfügte über umfangreiche Besitztümer, besonders in den Kurstaaten Trier und Mainz. Ihr bei weitem bedeutendster Besitz befand sich jedoch an der Donau im kroatischen Ostslawonien. Dort erwarb die Familie Eltz im Jahre 1736 die Herrschaft Vukovar. Sie war bis zur gewaltsamen Vertreibung 1944 der Hauptwohnsitz der Grafen von und zu Eltz.

1794 bis 1815
Während der französischen Herrschaft am Rhein 1794 bis 1815 behandelte man Graf Hugo Philipp zu Eltz als Emigrant. Seine Güter am Rhein und in der Nähe von Trier wurden eingezogen. Ihn selbst bezeichnete man als „Bürger Graf Eltz“. Burg Eltz und die dazugehörigen Güter waren der Kommandantur in Koblenz unterstellt. Später stellte sich heraus, daß Graf Hugo Philipp nicht emigriert, sondern in Mainz geblieben war. So kam er 1797 wieder zur Nutznießung seiner Güter und Renten. Graf Hugo Philipp wurde 1815 durch den Kauf des Rübenacher Hauses und des Grundbesitzes der Freiherren von Eltz-Rübenach alleiniger Besitzer der Burg. Der Anteil der Linie Eltz-Rodendorf war schon 1786 nach ihrem Aussterben an die Eltz-Kempenicher gefallen.

1845 bis 1888
Während der Romantik mit ihrem wiedererwachenden Interesse am Mittelalter setzte sich Graf Karl zu Eltz im 19. Jahrhundert sehr für die Restaurierung seiner Stammburg ein. Die umfangreichen Arbeiten erstreckten sich von 1845 bis 1888. Sie verschlangen die beträchtliche Summe von 184 000 Mark. Dieser Betrag entspricht nach heutiger Kaufkraft rund 15 Mio. Euro. Bei der Restaurierung ging Graf Karl zu Eltz sehr behutsam vor und berücksichtigte mit viel Gefühl und Sachverstand die vorhandene Architektur. Im Gegensatz zur sonst im letzten Jahrhundert üblichen Vorgehensweise erfolgte keine wesentliche bauliche Veränderung der Burg. Vielmehr wurde eine gekonnte Restaurierung durchgeführt – eine Arbeit, die auch heute noch den Beifall fachkundiger Betrachter findet.

1976 bis 1982
In den Jahren 1976 bis 1982 haben Graf Jakob und Gräfin Ladislaja zu Eltz die teilweise sehr stark geschädigten Mauern der Burg mit Hilfe der ABM-Maßnahmen umfassend neu verputzt und gesichert.

1990 bis 1998
Jakob Graf zu Eltz war nach der Wiedergründung des kroatischen Staates 1990 zwischen 1991 und 1998 Mitglied des kroatischen Parlaments, des auswärtigen Ausschusses und des Europarates. Jakob zu Eltz wurde als erstes Mitglied des Hauses Eltz in den Orden des Goldenen Vlies berufen. Er starb 2006.

Burg Eltz heute
Seit über 800 Jahren befindet sich die Burg Eltz im Besitz der gleichnamigen Familie. Der gegenwärtige Eigentümer der Burg, Dr. Karl Graf von und zu Eltz-Kempenich, genannt Faust von Stromberg, lebt in Frankfurt am Main.

2009 bis 2011 wurde mit Hilfe des Konjunkturprogramms II, des Landesamtes für Denkmalpflege in Mainz sowie der Stiftung Denkmalschutz die gefährdete Statik, die schadhaften Dächer und Fachwerke sowie die marode Haustechnik der Rodendorfer und Kempenicher Häuser saniert. Auch das Dach von Platt Eltz entstand neu.

Quelle: www.burg-eltz.de

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